Peter Bertau - Arbeiten über Lorenz Oken

 

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Inhaltsverzeichnis1. Lebensdaten
2. Einst berühmt
3.Okens Vogelsystematik
4. Eier und Nestbau
5. Bearbeitung 8 Eiertafeln
6. Bed. volkst. Vogelnamen
7. Bearbeitung Bildtafeln
8. Oken über Vögel
9. Beitrag zur Festschrift
10. Bildband Erwerb

 

 

Die Bedeutung volkstümlicher Vogelnamen: Angebot

Abgesehen davon, daß es noch lange dauern wird, bis die Bearbeitung der etliche tausend Vogelnamen beendet sein wird, ist das Internet nicht der passende Ort der Veröffentlichung.

Ich biete aber an, mich um Aufklärung der Bedeutung von Namen zu bemühen, die mir per E-Mail mitgeteilt werden.

 

Die Bedeutung volkstümlicher Namen heimischer Vögel

In der Literatur, in Märchen, alten Geschichten, Sagen oder auch in Theaterstücken, besonders aber in alten Fachbüchern findet man neben anderen auch immer wieder Vogelnamen, unter denen man sich nichts oder nur wenig vorstellen kann. Wer weiß schon, ob der "Vogel Greif" ein Adler, ein Geier oder überhaupt ein existierender Vogel sein soll? Was sind Gadenvogel, Lyster oder Brom. Den Elsternamen Heister oder Krünitz für den Kreuzschnabel kennt kaum noch jemand.

Es wäre schade, wenn die alten deutschen Namen unserer Vögel in Vergessenheit gerieten. Sie sind nicht nur oft schön oder zutreffend, sondern sagen auch etwas über unsere Vorfahren aus. Ich habe mir deshalb vor etwa zwei Jahren vorgenommen, volkstümliche Vogelnamen zu sammeln und deren Bedeutung herauszufinden. Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine neue etymologische Erforschung der Herkunft der Namen, wie man sie bei SUOLAHTI (1909) nachlesen kann. Es geht mir auch nicht um eine Erklärung moderner deutscher und wissenschaftlicher Vogelnamen, was kürzlich (2005) WEMBER getan hat. Mir geht es darum, herauszufinden, was sich hinter alten Vogelnamen verbirgt, warum man also z.B. die Alpenbraunelle Gadenvogel nannte oder zur Amsel Lyster sagte und zum Auerhahn Brom.

Die Zahl dieser auch als Trivialnamen bezeichneten alten Vogelnamen ist immens groß, es sind viele Tausend. Um sich deshalb bei solch einer Arbeit nicht zu verzetteln, muß die Zahl begrenzt werden. Das geht durch Konzentration auf bestimmte, wenige Quellen. Da ich durch meine Beschäftigung mit Lorenz OKEN (1779-1851) auf die Idee zu dieser Arbeit kam, war OKENS „Lehrbuch der Zoologie“ von 1816 meine erste Quelle. Hinzu kamen der Vogelband aus OKENS „Allgemeine Naturgeschichte“ von 1837 und das Lehrbuch der Zoologie, Band 2 von Friedrich Siegmund VOIGT (1781-1850) von 1835. Das 12-bändige Werk „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ des „Vaters“ der deutschen Ornithologie Johann Friedrich NAUMANN (1780-1857), das zwischen 1820 und 1844 erschien ist heute praktisch nur noch in der Neubearbeitung von C. HENNICKE(Hrsg.) von 1897-1905 unter dem erweiterten Titel „...Vögel Mitteleuropas“ zu erhalten. Schließlich kamen aus der ersten (1864-1869) und zweiten Auflage (1882-1887) des „Illustrierten Tierlebens“ (später „Brehms Tierleben“) von Alfred Edmunds BREHM (1829-1884) die Bände über Vögel dazu.

 

Lorenz Oken.

Der letzte Naturwissenschaftler, der in einem Werk umfassende Beschreibungen der belebten und unbelebten Natur in deutscher Sprache herausgebracht hat, war Lorenz Oken (1779-1851). Im Jahr 1812 erschien vom ersten Werk dieser Art, dem dreibändigen, fünfteiligen "Lehrbuch der Naturgeschichte" der 1.Band, die "Mineralogie", gefolgt 1816 von den 2 Teilen des "Lehrbuches der Zoologie". Die beiden Teile des 3. Bandes, der "Naturgeschichte der Pflanzen", erschienen erst sehr viel später,1825 und 1826. Das hatte vielleicht, zumindest bis 1819, mit Okens Doppelbelastung durch die Professur in Jena und dem Start seiner Zeitschrift "Isis" 1817 zu tun. Nach seiner Dienstentlassung war Oken ab Mitte 1819 Privatgelehrter. Aus Forschungsgründen, aber auch um eine neue Anstellung zu finden, war er viel auf Reisen, bis er sich ab 1822/23 vorwiegend wieder in Jena aufhielt. In dieser Zeit vollendete er sein "Lehrbuch der Naturgeschichte".

1832 erhielt Oken einen Ruf an die zu gründende Universität Zürich, wo er zwischen 1833 und 1842 sein 2. großes Werk über die Natur, die "Allgemeine Naturgeschichte für alle Stände " schrieb, 14 Bände mit Register, an das sich 1843 ein Bildband anschloß. Der die Vögel behandelnde Band erschien 1837.

Ich habe den Teil von Okens "Lehrbuch der Zoologie" von 1816, der die Vögel behandelt und Okens Vogelband von 1837 bearbeitet. Oken beschrieb und systematisierte in der 1816-Ausgabe vor allem europäische Vögel unter deren damals üblichen, z.T. zahlreichen deutschen Namen. In dem ganz anders aufgebauten Band von 1837 findet man ein intensiveres Einarbeiten z.T. sehr alter Quellen, ausführlichere Beschreibungen auch von ausländischen Vögeln, aber nur noch wenige volkstümliche deutsche Namen. Welche Vogelart sich hinter den alten deutschen und wissenschaftlichen Namen, die Oken benutzte, verbirgt, hatte ich mit der Bearbeitung von Okens Vogel-Systematik von 1837 schon früher (2001) gelöst (und im Internet veröffentlich).

 

Johann Friedrich Naumann

Johann Friedrich Naumann, (1780-1857) wuchs auf einem Bauerngut in Ziebigk bei Köthen/ Anhalt auf und blieb dort sein ganzes Leben. Dieses Leben wurde von klein auf geprägt durch den Vater Johann Andreas Naumann (1744-1826), der ein begeisterter Vogelkundler war. Seine aufsehenerregenden Veröffentlichungen beruhten alle auf eigenen Beobachtungen, eigener Vogelstellerei und eigener Jagd. Die produktive Leidenschaft des Vaters übertrug sich auf die Söhne Johann Friedrich und Carl Andreas (1786-1854). Die Brüder arbeiteten zeitlebens eng zusammen, der eine als Bauer und Besitzer des väterlichen Hofes, der andere als Förster.

Seine zeichnerischen Fähigkeiten führten dazu, daß Johann Friedrich die Bilder und Kupferstiche zur „Naturgeschichte der Land- und Wasservögel des nördlichen Deutschlands und angränzender Länder“ seines Vaters liefern und deshalb die Schule in Köthen mit 15 Jahren verlassen mußte. Viele Jahre war der Sohn mit Ergänzungen zu diesem Werk seines Vaters beschäftigt, für die er alle Bilder selber malte und auch das Kupferstechen erlernt hatte. Schließlich entschloß er sich, ein eigenes Werk herauszugeben, über dessen Umfang er sich anfangs nicht bewußt war. Der erste Band der „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ erschien 1820, der letzte 1844. Dazwischen lagen Jahre der Armut und voller Arbeit vor allem in der Landwirtschaft, die gerade so viel Ertrag brachte, daß die große Familie überleben konnte. Arbeitsmaterial und Gerätschaften lernte J.F. Naumann selber herzustellen, weil Geld zur Anschaffung fehlte. Wenn irgend Zeit war, widmete er sich der Vogelbeoachtung, dem Vogelfang, der Vogelbeschreibung. Die ersten Bände der Naturgeschichte brachten zwar keinen Verdienst, dafür wurde erregte er in der Fachwelt über die Grenzen Deutschlands beträchtliches Ausehen, wurde bekannt, anerkannt und immer stärker verehrt. Spät, aber hochverdient war die Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahr 1839. Zwei Jahre zuvor hatte Naumann den Titel „Anhalt Köthener Professor der Naturgeschichte“ von der Herzoglichen Regierung erhalten.

Naumanns Werk war für seine Zeit einmalig, zumal, da er lange Zeit keine Mittel für Fachliteratur hatte, seine Vogelbeschreibungen, so weit es irgend ging, auf eigenen Beobachtungen basierten. A.E.Brehm hat vieles von Naumann für sein „Illustriertes Tierleben“ übernommen. Viele uns geläufige Vogelnamen stammen von Naumann, wie Waldohreule, Waldkauz, Sperlingskauz, Dorngrasmücke, Schellente, Sand-, Fluß- und Seeregenpfeifer, Brand-, Fluß- und Küstenseeschwalbe und viele andere.

Naumann hielt sich bei den Abhandlungen über die Vögel an ein Schema, das er vom ersten bis zum letzten Band durchhielt: 1. Kennzeichen der Art und Beschreibung, die sehr ausführlich war. 2. Aufenthalt, worunter er Vorbreitung und Vogelzug verstand. Hierfür benötigte er die Berichte anderer Autoren, die er gewissenhaft bearbeitete. 3. Eigenschaften, worunter wir heute das Verhalten verstehen. 4. Nahrung, 5. Fortpflanzung, 6. Feinde, 7. Jagd, 8. Nutzen, 9. Schaden.

1845 wurde in Köthen ein ornithologischer Verein gegründet, der unter Naumanns Vorsitz die Annahme der Satzung der von Oken gegründeten „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte“ beschloß. 1850 ging aus dem Verein die „Deutsche Ornithologische Gesellschaft“ hervorging. Diese ging 1875 in der „Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft“ auf.

 

Friedrich Siegmund Voigt

Friedrich Siegmund Voigt (1781-1850) war nur 2 Jahre jünger als Lorenz Oken. Beide erhielten 1807 einen Ruf an die Universität Jena, wo sie bald zu möglicherweise erbitterten Konkurrenten wurden. Ein Beispiel: 1812, als Voigt Leiter des Herzoglichen Botanischen Gartens war, wurde Oken dessen Benutzung zu Vorlesungszwecken von der Weimarer Regierung, natürlich gut begründet, verboten. Ob Schikane oder nicht, Oken konnte zu seinem Glück in einen anderen botanischen Garten ausweichen.

Oken war ein begnadeter Hochschullehrer, der so packende Vorlesungen hielt, daß er immer gut gefüllte Hörsäle hatte. Voigt, der ganz ähnliche Themen anbot wie Oken, stand dagegen vor fast leeren Sälen. Vielleicht war das eine der Ursachen des Konfliktes. Hinzu kommt, daß Oken bei dem mächtigen Goethe im nahegelegenen Weimar wegen eines tragisch-ärgerlichen Mißverständnisses schon sehr früh in dauerhafte Ungnade gefallen war. Nicht jedoch Voigt, der intensiv mit Goethe korrespondierte und mit ihm zusammenarbeitete. Möglicherweise um die Vorlesungspleiten von Voigt zu übertünchen, wurde dieser mit Goethes Hilfe zu einem längeren Forschungsaufenthalt nach Paris geschickt. Frankreich war mit England damals ein Zentrum der sich entwickelnden, immer beliebter werdenden Vogelkunde. Kisten- und säckeweise wurden aus Afrika, Südamerika, Nordamerika, Ostasien oder Australien Vogelbälge mit Handelsschiffen nach Hause geschickt. Die Reisenden selbst oder andere Wissenschaftler, haben diese Sendungen zu Ende präpariert, auch aufgestellt und zusammen mit den mitgelieferten, teilweise sehr ausführlichen und kenntnisreichen Beschreibungen bearbeitet. In einigen Museen kann man sich noch heute eine Vorstellung machen von der damaligen Sammelleidenschaft. Auch F.S. Voigt kam mit wohl guten Kenntnissen über Vögel nach Jena zurück, obwohl seine Hauptinteressen mehr bei der Botanik lagen. Er schrieb später ein mehrbändiges Lehrbuch der Zoologie, dessen Vogelband 1835 erschien. Ähnlichkeiten mit Oken kann man aus geschilderten Gründen nicht erwarten. Für die Vogelnamen-Sammlung habe ich das Werk aber gut gebrauchen können, eben weil Voigt ein Zeitgenosse Okens war und auch in Jena lebte und weil er, bedingt durch den Auslandsaufenthalt, einige andere Namen einbrachte als Oken.

 

Alfred E. Brehm

Viel bedeutender als Voigt und auf dem Gebiet der Naturbeschreibung durchaus als direkter Nachfolger Okens anzusehen war Alfred Edmund Brehm (1829-1884). Er war geprägt durch seinen Vater, den berühmten Vogelpastor Christian Ludwig Brehm (1787-1864) aus dem thüringischen Renthendorf. Oken war dort öfter zu Besuch und hat den damals noch kleinen Alfred wohl gekannt. Brehm verfaßte von 1864-69 das sechsbändige Werk "Illustriertes Tierleben", dessen spätere Auflagen unter "Brehms Tierleben" berühmt wurden. In seinen Büchern beschreitet er ganz neue Wege, beschreibt eigene Forschungen und Erlebnisse in Ich-Form, benutzt auch sehr ausführlich Berichte zeitgenössischer Forschungsreisender, bezieht sich aber durchaus auch auf Oken. Ein Beispiel: Bei der Wiedergabe altklassischer Stellen sei er mit seinen Nachforschungen nicht immer an die Quellen gegangen. "Ich hatte Wichtigeres zu thun, als in altem Wust zu wühlen: Wenn also hinsichtlich solcher Angaben Fehler bemerkt werden, mag Oken sie verantworten." Wegen der enormen Zunahme des Wissens über die Lebewesen, war es inzwischen praktisch unmöglich geworden, umfassende Naturgeschichten zu schreiben wie es Oken Jahrzehnte vorher noch getan hatte. Deshalb beschränkte sich Brehm auf Tiere, zumal er ausgeprägter Tierkundler war.

Über die Vögel erschienen 1866 und 1867 zwei dicke, reich bebilderte Bände mit je etwa 1000 Seiten. In ihnen und in den 3 Bänden über Vögel der 2. Auflage, die auch noch von Brehm selbst geschrieben waren, fand ich die volkstümlichen Namen für unsere europäische Vögel, die Brehm wohl am wichtigsten erschienen. Daß es noch mehr gab, die er aber u.a. aus Bekanntheitsgründen des Vogels weggelassen hat, zeigen Bemerkungen: "...und wie er sonst noch heißt." oder einfach ein "usw."

War Oken also der letzte in Deutschland, dem es noch gelang, die Geologie mit der Mineralogie sowie die pflanzliche und tierische Lebewesen zu einem umfassenden Werk zu vereinen (andere waren damals noch nicht bekannt), war Brehm der erste, der mit einer umfassenden Beschreibung nur der Tiere den explosionsartigen Wissenszuwachs dokumentierte.

 

Die Bedeutung volkstümlicher Vogelnamen: Angebot

Abgesehen davon, daß es noch lange dauern wird, bis die Bearbeitung der etliche tausend Vogelnamen beendet sein wird, ist das Internet nicht der passende Ort der Veröffentlichung.

Ich biete aber an, mich um Aufklärung der Bedeutung von Namen zu bemühen, die mir per E-Mail mitgeteilt werden.


 

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Stand: 18.04.2009