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Die Bedeutung volkstümlicher Namen heimischer Vögel

 

In der Literatur, in Märchen, alten Geschichten, Sagen oder auch in Theaterstücken, besonders aber in alten Fachbüchern findet man neben anderen auch immer wieder Vogelnamen, unter denen man sich nichts oder nur wenig vorstellen kann. Wer weiß schon, ob der "Vogel Greif" ein Adler, ein Geier oder überhaupt ein existierender Vogel sein soll? Was sind Gadenvogel, Lyster oder Brom? Den Elsternamen Heister oder Krünitz für den Kreuzschnabel kennt kaum noch jemand.

Es wäre schade, wenn die alten deutschen Namen unserer Vögel in Vergessenheit gerieten. Sie sind nicht nur oft schön oder zutreffend, sondern sagen auch etwas über unsere Vorfahren aus. Ich habe mir deshalb vorgenommen, volkstümliche Vogelnamen zu sammeln und deren Bedeutung herauszufinden. Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine neue etymologische Erforschung der Herkunft der Namen, wie man sie bei SUOLAHTI (1909) nachlesen kann. Es geht mir auch nicht um eine Erklärung moderner deutscher und wissenschaftlicher Vogelnamen, was kürzlich (2005) WEMBER getan hat. Mir geht es darum, herauszufinden, was sich hinter alten Vogelnamen verbirgt, warum man also z.B. die Alpenbraunelle Gadenvogel nannte oder zur Amsel Lyster sagte und zum Auerhahn Brom.

Die Zahl dieser auch als Trivialnamen bezeichneten alten Vogelnamen ist immens groß. Es sind viele Tausend. Um sich deshalb bei solch einer Arbeit nicht zu verzetteln, muß die Zahl begrenzt werden. Das geht durch Konzentration auf bestimmte, wenige Quellen. Da ich durch meine Beschäftigung mit Lorenz OKEN (1779-1851) auf die Idee zu dieser Arbeit kam, war OKENS „Lehrbuch der Zoologie“ von 1816 meine erste Quelle. Hinzu kamen der Vogelband aus OKENS „Allgemeine Naturgeschichte“ von 1837 und das Lehrbuch der Zoologie, Band 2 von Friedrich Siegmund VOIGT (1781-1850) von 1835. Das 12-bändige Werk „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ des „Vaters“ der deutschen Ornithologie Johann Friedrich NAUMANN (1780-1857), das zwischen 1820 und 1844 erschien ist heute praktisch nur noch in der Neubearbeitung von C. HENNICKE(Hrsg.) von 1897-1905 unter dem erweiterten Titel „...Vögel Mitteleuropas“ zu erhalten. Schließlich kamen aus der ersten (1864-1869) und zweiten Auflage (1882-1887) des „Illustrierten Tierlebens“ (später „Brehms Tierleben“) von Alfred Edmunds BREHM (1829-1884) die Bände über Vögel dazu.


 

Lorenz Oken

Der letzte Naturwissenschaftler, der in einem Werk umfassende Beschreibungen der belebten und unbelebten Natur in deutscher Sprache herausgebracht hat, war Lorenz Oken (1779-1851). Im Jahr 1812 erschien vom ersten Werk dieser Art, dem dreibändigen, fünfteiligen "Lehrbuch der Naturgeschichte" der 1.Band, die "Mineralogie", gefolgt 1816 von den 2 Teilen des "Lehrbuches der Zoologie". Die beiden Teile des 3. Bandes, der "Naturgeschichte der Pflanzen", erschienen erst sehr viel später,1825 und 1826. Das hatte vielleicht, zumindest bis 1819, mit Okens Doppelbelastung durch die Professur in Jena und dem Start seiner Zeitschrift "Isis" 1817 zu tun. Nach seiner Dienstentlassung war Oken ab Mitte 1819 Privatgelehrter. Aus Forschungsgründen, aber auch um eine neue Anstellung zu finden, war er viel auf Reisen, bis er sich ab 1822/23 vorwiegend wieder in Jena aufhielt. In dieser Zeit vollendete er sein "Lehrbuch der Naturgeschichte".

1832 erhielt Oken einen Ruf an die zu gründende Universität Zürich, wo er zwischen 1833 und 1842 sein 2. großes Werk über die Natur, die "Allgemeine Naturgeschichte für alle Stände " schrieb, 14 Bände mit Register, an das sich 1843 ein Bildband anschloß. Der die Vögel behandelnde Band erschien 1837.

Ich habe den Teil von Okens "Lehrbuch der Zoologie" von 1816, der die Vögel behandelt und Okens Vogelband von 1837 bearbeitet. Oken beschrieb und systematisierte in der 1816-Ausgabe vor allem europäische Vögel unter deren damals üblichen, z.T. zahlreichen deutschen Namen. In dem ganz anders aufgebauten Band von 1837 findet man ein intensiveres Einarbeiten z.T. sehr alter Quellen, ausführlichere Beschreibungen auch von ausländischen Vögeln, aber nur noch wenige volkstümliche deutsche Namen. Welche Vogelart sich hinter den alten deutschen und wissenschaftlichen Namen, die Oken benutzte, verbirgt, hatte ich mit der Bearbeitung von Okens Vogel-Systematik von 1837 schon früher (2001) gelöst (und im Internet veröffentlicht, jetzt nur noch als Auzug).


 

Johann Friedrich Naumann

Johann Friedrich Naumann, (1780-1857) wuchs auf einem Bauerngut in Ziebigk bei Köthen/ Anhalt auf und blieb dort sein ganzes Leben. Dieses Leben wurde von klein auf geprägt durch den Vater Johann Andreas Naumann (1744-1826), der ein begeisterter Vogelkundler war. Seine aufsehenerregenden Veröffentlichungen beruhten alle auf eigenen Beobachtungen, eigener Vogelstellerei und eigener Jagd. Die produktive Leidenschaft des Vaters übertrug sich auf die Söhne Johann Friedrich und Carl Andreas (1786-1854). Die Brüder arbeiteten zeitlebens eng zusammen, der eine als Bauer und Besitzer des väterlichen Hofes, der andere als Förster.

Seine zeichnerischen Fähigkeiten führten dazu, daß Johann Friedrich die Bilder und Kupferstiche zur „Naturgeschichte der Land- und Wasservögel des nördlichen Deutschlands und angränzender Länder“ seines Vaters liefern und deshalb die Schule in Köthen mit 15 Jahren verlassen mußte. Viele Jahre war der Sohn mit Ergänzungen zu diesem Werk seines Vaters beschäftigt, für die er alle Bilder selber malte und auch das Kupferstechen erlernt hatte. Schließlich entschloß er sich, ein eigenes Werk herauszugeben, über dessen Umfang er sich anfangs nicht bewußt war. Der erste Band der „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ erschien 1820, der letzte 1844. Dazwischen lagen Jahre der Armut und voller Arbeit vor allem in der Landwirtschaft, die gerade so viel Ertrag brachte, daß die große Familie überleben konnte. Arbeitsmaterial und Gerätschaften lernte J.F. Naumann selber herzustellen, weil Geld zur Anschaffung fehlte. Wenn irgend Zeit war, widmete er sich der Vogelbeoachtung, dem Vogelfang, der Vogelbeschreibung. Die ersten Bände der Naturgeschichte brachten zwar keinen Verdienst, dafür wurde erregte er in der Fachwelt über die Grenzen Deutschlands beträchtliches Ausehen, wurde bekannt, anerkannt und immer stärker verehrt. Spät, aber hochverdient war die Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahr 1839. Zwei Jahre zuvor hatte Naumann den Titel „Anhalt Köthener Professor der Naturgeschichte“ von der Herzoglichen Regierung erhalten.

Naumanns Werk war für seine Zeit einmalig, zumal, da er lange Zeit keine Mittel für Fachliteratur hatte, seine Vogelbeschreibungen, so weit es irgend ging, auf eigenen Beobachtungen basierten. A.E.Brehm hat vieles von Naumann für sein „Illustriertes Tierleben“ übernommen. Viele uns geläufige Vogelnamen stammen von Naumann, wie Waldohreule, Waldkauz, Sperlingskauz, Dorngrasmücke, Schellente, Sand-, Fluß- und Seeregenpfeifer, Brand-, Fluß- und Küstenseeschwalbe und viele andere.

Naumann hielt sich bei den Abhandlungen über die Vögel an ein Schema, das er vom ersten bis zum letzten Band durchhielt: 1. Kennzeichen der Art und Beschreibung, die sehr ausführlich war. 2. Aufenthalt, worunter er Vorbreitung und Vogelzug verstand. Hierfür benötigte er die Berichte anderer Autoren, die er gewissenhaft bearbeitete. 3. Eigenschaften, worunter wir heute das Verhalten verstehen. 4. Nahrung, 5. Fortpflanzung, 6. Feinde, 7. Jagd, 8. Nutzen, 9. Schaden.

1845 wurde in Köthen ein ornithologischer Verein gegründet, der unter Naumanns Vorsitz die Annahme der Satzung der von Oken gegründeten „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte“ beschloß. 1850 ging aus dem Verein die „Deutsche Ornithologische Gesellschaft“ hervorging. Diese ging 1875 in der „Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft“ auf.


 

Friedrich Siegmund Voigt

Friedrich Siegmund Voigt (1781-1850) war nur 2 Jahre jünger als Lorenz Oken. Beide erhielten 1807 einen Ruf an die Universität Jena, wo sie bald zu möglicherweise erbitterten Konkurrenten wurden. Ein Beispiel: 1812, als Voigt Leiter des Herzoglichen Botanischen Gartens war, wurde Oken dessen Benutzung zu Vorlesungszwecken von der Weimarer Regierung, natürlich gut begründet, verboten. Ob Schikane oder nicht, Oken konnte zu seinem Glück in einen anderen botanischen Garten ausweichen.

Oken war ein begnadeter Hochschullehrer, der so packende Vorlesungen hielt, daß er immer gut gefüllte Hörsäle hatte. Voigt, der ganz ähnliche Themen anbot wie Oken, stand dagegen vor fast leeren Sälen. Vielleicht war das eine der Ursachen des Konfliktes. Hinzu kommt, daß Oken bei dem mächtigen Goethe im nahegelegenen Weimar wegen eines tragisch-ärgerlichen Mißverständnisses schon sehr früh in dauerhafte Ungnade gefallen war. Nicht jedoch Voigt, der intensiv mit Goethe korrespondierte und mit ihm zusammenarbeitete. Möglicherweise um die Vorlesungspleiten von Voigt zu übertünchen, wurde dieser mit Goethes Hilfe zu einem längeren Forschungsaufenthalt nach Paris geschickt. Frankreich war mit England damals ein Zentrum der sich entwickelnden, immer beliebter werdenden Vogelkunde. Kisten- und säckeweise wurden aus Afrika, Südamerika, Nordamerika, Ostasien oder Australien Vogelbälge mit Handelsschiffen nach Hause geschickt. Die Reisenden selbst oder andere Wissenschaftler, haben diese Sendungen zu Ende präpariert, auch aufgestellt und zusammen mit den mitgelieferten, teilweise sehr ausführlichen und kenntnisreichen Beschreibungen bearbeitet. In einigen Museen kann man sich noch heute eine Vorstellung machen von der damaligen Sammelleidenschaft. Auch F.S. Voigt kam mit wohl guten Kenntnissen über Vögel nach Jena zurück, obwohl seine Hauptinteressen mehr bei der Botanik lagen. Er schrieb später ein mehrbändiges Lehrbuch der Zoologie, dessen Vogelband 1835 erschien. Ähnlichkeiten mit Oken kann man aus geschilderten Gründen nicht erwarten. Für die Vogelnamen-Sammlung habe ich das Werk aber gut gebrauchen können, eben weil Voigt ein Zeitgenosse Okens war und auch in Jena lebte und weil er, bedingt durch den Auslandsaufenthalt, einige andere Namen einbrachte als Oken.


 

Alfred Edmund Brehm

Viel bedeutender als Voigt und auf dem Gebiet der Naturbeschreibung durchaus als direkter Nachfolger Okens anzusehen war Alfred Edmund Brehm (1829-1884). Er war geprägt durch seinen Vater, den berühmten Vogelpastor Christian Ludwig Brehm (1787-1864) aus dem thüringischen Renthendorf. Oken war dort öfter zu Besuch und hat den damals noch kleinen Alfred wohl gekannt. Brehm verfaßte von 1864-69 das sechsbändige Werk "Illustriertes Tierleben", dessen spätere Auflagen unter "Brehms Tierleben" berühmt wurden. In seinen Büchern beschreitet er ganz neue Wege, beschreibt eigene Forschungen und Erlebnisse in Ich-Form, benutzt auch sehr ausführlich Berichte zeitgenössischer Forschungsreisender, bezieht sich aber durchaus auch auf Oken. Ein Beispiel: Bei der Wiedergabe altklassischer Stellen sei er mit seinen Nachforschungen nicht immer an die Quellen gegangen. "Ich hatte Wichtigeres zu thun, als in altem Wust zu wühlen: Wenn also hinsichtlich solcher Angaben Fehler bemerkt werden, mag Oken sie verantworten." Wegen der enormen Zunahme des Wissens über die Lebewesen, war es inzwischen praktisch unmöglich geworden, umfassende Naturgeschichten zu schreiben wie es Oken Jahrzehnte vorher noch getan hatte. Deshalb beschränkte sich Brehm auf Tiere, zumal er ausgeprägter Tierkundler war.

Über die Vögel erschienen 1866 und 1867 zwei dicke, reich bebilderte Bände mit je etwa 1000 Seiten. In ihnen und in den 3 Bänden über Vögel der 2. Auflage, die auch noch von Brehm selbst geschrieben waren, fand ich die volkstümlichen Namen für unsere europäische Vögel, die Brehm wohl am wichtigsten erschienen. Daß es noch mehr gab, die er aber u.a. aus Bekanntheitsgründen des Vogels weggelassen hat, zeigen Bemerkungen: "...und wie er sonst noch heißt." oder einfach ein "usw."

War Oken also der letzte in Deutschland, dem es noch gelang, die Geologie mit der Mineralogie sowie die pflanzliche und tierische Lebewesen zu einem umfassenden Werk zu vereinen (andere waren damals noch nicht bekannt), war Brehm der erste, der mit einer umfassenden Beschreibung nur der Tiere den explosionsartigen Wissenszuwachs dokumentierte.


 

 

 

Im Folgenden stelle ich meine Arbeit über die Deutung der Trivialnamen von Vögeln mit 1 Leseproben vor.


 


 


 

Volkstümliche Namen europäischer Vögel

oder

Wie nannte man unsere Vögel früher?


 

Vogelnamen aus Werken des des 19. Jahrhunderts


 

Buchfink (Fringilla coelebs)

Der Gesang [des Buchfinken] wird Schlag genannt, weil er aus einer oder zwei regelmäßig abgeschlossenen Strophen besteht. Sie werden mit größter Ausdauer und sehr oft, rasch nach einander wiederholt, vorgetragen, und ihnen [ver]dankt der Fink die Hochachtung und den Ruhm, welche er sich bei den wahren Liebhabern erwarb.

Letztere unterscheiden eine Menge verschiedene Finkenschläge und haben jedem derselben einen besondern Namen gegeben. Die Kunde dieser Schläge ist zu einer förmlichen Wissenschaft geworden, welche jedoch ihre eigenen Priester verlangt und einem nicht unter Liebhabern großgewordenen Menschen immer dunkel bleiben wird. Es gibt gewisse Gegenden in dem Gebirge, wo diese Wissenschaft mehr gepflegt wird, als jede andere. Berühmt sind die thüringer, die harzer und die oberösterreichischen Finkenliebhaber wegen ihrer außerordentlichen Kenntniß der betreffenden Schläge. Während das ungeübte Ohr nur einen geringen Unterschied wahrnimmt, unterscheiden diese Leute mit untrüglicher Sicherheit zwischen zwanzig und mehr verschiedenen Schlägen“ (BREHM 1866,134). „Gewisse Buchfinken sind wegen der wie wührdsjibjühr, reidsug oder reidsjer klingenden Schlüsse ihrer Lieder bei Vogelzüchtern und -händlern als Würzgebühr-, Reitzug- und Reiterfinken bekannt“ (HOFFMANN 1937,25).

Der Edelfink werde immer mit leichter Mühe gefangen. Dazu liest man bei VOIGT (1835,225): „Der Fink wird vorzüglich häufig auf dem Finkenheerd gefangen, auch benutzt man sein zorniges, eifersüchtiges Wesen, um ihn mit dem sogenannten Finkenstechen zu bekommen. Bemerkt man nämlich einen guten Finken im Wald, so nimmt man ein Männchen, das seinen gewöhnlichen Lockton Fink! Fink! hören läßt, bindet ihm die Flügel zusammen, sezt auf diese oder den Schwanz einen kleinen mit Vogelleim bestrichenen Zweig, und läßt ihn in der Gegend, unter dem Baume, wo jener sizt, los. Kaum hat er seine Stimme hören lassen, so fährt der wilde zornig auf ihn herab, packt oder sticht ihn, und bleibt am Vogelleim kleben. Oft hat der Stockfink den Lockfink dabei getödtet“

Buchfink, Buch-Fink: Als der bekannteste unter den Finken verdankt der Buchfink seine Artbezeichnung der besonderen Vorliebe für die herbstlichen Samen der Buchen, den Bucheckern. Der Name, der heute weit verbreitet ist, wird schon im 13. Jahrhundert bezeugt, so als „buchfinke“, „buchfinck“ (GATTIKER 1989,54).

Bookfink, Bogfink: So heißt der Buchfink im Niederdeutschen, Plattdeutschen.

Fink, Eigentlicher Fink, Gemeiner Fink, Finke: Den Namen „Fink“ gab es schon in den westgermanischen Sprachen (als vinke, finke, vink,finc,finch, fink ua.). Er beruht auf den kurzen hellen pink-pink-Rufen des Buchfinks.

Rotfink, Rothfink, Rottfink, Rottefink: Das alte Männchen hat im Frühling einen blauen, schwarzspitzigen Schnabel, eine tiefschwarze Stirn, Scheitel, Genick und Nacken sind schön schieferblau. Der Vogel hat zudem rötlichbraune Schultern und Oberrücken, sowie ein angenehmes Rostbraun an Kehle, Kopfseiten und der Brust (NAUMANN 1905,3/332). Das „angenehme Rostbraun“ ist bei vielen Männchen ein kräftiges Rostrot, das das Aussehen des Vogels maßgeblich mitbestimmt. Mit „rott“ ist hier rot gemeint (s.Rottgans-Ringelgans).

Schildfink: Der Name ist laut GATTIKER (1989,54) in der Schweiz und Holland gebräuchlich und bezieht sich auf die Gefiederfärbung. Nach SUOLAHTI (1909,110) bedeutet „Schild“ (in der Bedeutung „Flecken“) in Vogelnamen allgemein eine bunte Gefiederfarbe.

Ringelfink: Nach VOIGT (1835,223) eine Varietät des Buchfinken mit einem weißen Ring um den Hals. Im NAUMANN (1905,3/333) findet man dazu die Bestätigung und den Hinweis, daß es etliche Varietäten des Buchfinks gibt, die aber nicht so unterschieden sind, daß sich Subspecies bilden lassen. Heute sind etliche Unterarten bekannt (KRÄGENOW, 1986,8).

Vierspiegeliger Fink: Die normalen Buchfinken haben auf den Spitzen der beiden äußeren Schwanzfedern jederseits je einen großen weißen Fleck, sie sind „gewöhnliche Viermäler“ (NAUMANN 1905,3/332).

Sechspiegel, Sechsspiegeliger Fink: Der sechsspiegelige Fink ist eine Aberration „mit sechs am Ende weißgefleckten Federn im Schwanz“ (KLEINSCHMIDT 1963,5). „Wegen der weißen Flecken auf den drey ersten Schwanzfedern“ (BECHSTEIN 1803,115). Nach VOIGT (1835,223) sind sie die vorzüglichsten Singvögel im Zimmer.

Gartenfink, Waldfink: Wie Wald- oder Dorffink weist der Name auf einen bevorzugten Aufenthaltsort hin. Früher unterschied man den Gartenfink mit einem mehr bäulichen Kopf vom Waldfink mit einem grauen Kopf (VOIGT 1835,223). Diese Trennung schloß NAUMANN in seinem 3.Band, den er 1823 veröffentlichte, ausdrücklich aus.

Dörpfink, Dorpfink : Dörp bedeutet Dorf (plattdeutsch). Der Vogel hält sich gerne auch in Dörfern auf.

Edelfink: Der Buchfink ist der Edelfink „wegen des guten Schlags“ (KLEINSCHMIDT 1963,5). „Seine guten Eigenschaften als Stubenvogel, die Mannigfaltigkeit seines Gesanges, vielleicht auch seine Größe, denn er ist vollkommen so groß als ein Haussperling, haben ihm den Titel Edelfink verschafft“ (CURTMANN/WALTER 1846,227).

Schlagfink: Der Name bezieht sich auf den Finkenschlag, den Gesang des Buchfinks. Laut VOIGT(1835,224) benannte BECHSTEIN die verschiedenen Finkenschläge (nach der Endsilbe im Gesang). Außer Bräutigam, Weingesang und Reiterzug gab es noch den Weidmann, den Doppelschlag, den Härzer Doppelschlag, den Tambecher Doppelschlag, das Gutjahr, Quaxia, Pythia und viele andere(GATTIKER 1989,57).

Bräutigam: „Eine Weise (Schlag) heißt ‚der Bräutigam', weil er ungefähr klingt wie: zizizizizizizizizizizirrrrrrrbräutigamgie.“ (CURTMANN/WALTER 1846,227). BECHSTEIN, der immer gerne Vogelgesang in Worte übersetzt hat, wird von NAUMANN (1905,3/336) zitiert: „Fink, fink,fink,fink, hörst du, willst du mit dem Bräutigam zieren.“

Reiterzug: Der „gemeine Reiterzug“ ist die Bezeichnung für einen besonderen Finkenschlag: „Zizizizirrrrihtjobjobjobjobjeroitihe“(BREHM 1866,134), siehe auch Einleitung. C.L.BREHM berichtet in OKENS ISIS (1837,699) über seinen Fußmarsch über den Thüringer Wald. Er hätte unter unzähligen Finken keine mit gutem Finkenschlag gehört. „Ich erklärte mir dieses Räthsel durch die Annahme, daß die guten Schläger von den vielen Liebhabern des Finkenschlages auf dem Thüringer Walde weggefangen wurden. Allein auch in den Orten, welche Bechstein als Hauptsitze der im Käfig gehaltenen guten Finken nennt, z.B. in Lauscha und Steinach, hörte ich keine ausgezeichneten Schläger. Es waren allerdings mehrere vorhanden, welche den Reiterzug recht gut vortrugen; allein einen schönen Doppelschläger, wie ich ihn in Nürnberg gehört hatte, suchte ich...vergebens.“

Weingesang: Auch hier handelt es sich um einen besonderen Finkenschlag, nach dem der Vogel benannt wurde. Die in Stuben gehaltenen Buchfinken wurde früher oft nach den Endsilben ihres Gesanges benannt, wobei Weingesang nur ein Name von vielen anderen ist. „Ein anderer [Finken-Schlag] heißt der ‚gleiche Scharfe‘ oder der scharfe Weingesang und lautet: ziziziwillillillti dododododo weingie“ (CURTMANN/WALTER 1846,227). Derselbe wird auch so geschildert: „Fritz. Fritz, Fritz, willst du mit zum Wein gehen“(NAUMANN 1905,3/336).

Spreufink: „Spreu“ ist etymologisch verwandt mit mhd. spræjen, spræwen, sprewen für stieben, stäuben, sprühen, auch mit spratzeln (GRIMM 1984, 17/54). Mit Spreufink ist der weißgetüpfelte,weißgefleckte Vogel gemeint.

Sprottfink: Das niederdeutsche Dialektwort Sprutter gehört wohl zu mnd sprote „Fleck, Sprosse“, sprût(e) „Sommersprosse“ (SOULAHTI 1909,169). Der „Sprottfink“ hat, wie der „Spreufink“, ein weißgeflecktes Flügelgefieder.

Wintsche, Wintsch: Wahrscheinlich sind diese Namen Ableitungen von „Fink“ über hier angenommene Zwischenstufen, wie Finke, Fintsche.

Feink: Aus Fink entstandenes Wort.


 

Angebot: Sollte Interesse bestehen, bin ich gerne bereit bei der Deutung, Klärung oder Übersetzung von Trivialnamen mitzuhelfen.

Meine E-Mail-Adresse: peterbertau@web.de